Kurt Tucholsky begleitet mich schon seit Jahrzehnten als Tröster, Mutmacher, Erheller von Stimmungen und Zusammenhängen, als Vademecum durch die absonderlichsten Alltags-Gemengelagen.
Vor einem oder zwei Jahren fiel mir in der Buchhandlung meiner wunderbaren Freundin Nicole List ein kleines Bändchen auf und in die Hände, das der verdienstvolle Robert Stadlober zusammengestellt hatte.
Titel: "Wenn wir einmal nicht grausam sind, dann glauben wir gleich, wir seien gut." Geduldigen Begleiter*innen meiner Schreib-Eskapaden hier kommt dieses Zitat sicher bekannt vor, denn ich habe es aus großer Begeisterung zum General-Motto meines Blogs gemacht.
Stadlober hat in seinem Bändchen jene fünf Herren vorgestellt, hinter denen der umtriebige Tucholsky stets selbst steckte, wenn er unermüdlich in verschiedenen Aufgaben und Missionen publizierte.
Also neben dem Namen Tucholsky auch vier Pseudonyme. Panter, Tiger, Wrobel und Hauser.
In den letzten Wochen greife ich in unregelmäßigen Abständen zu der Sammlung dieses ganz besonderen Herren, der in fünf Identitäten ausnahmslos Wesentliches zu Papier brachte.
So zum Beispiel einen Text aus der Autorenschaft von Ignaz Wrobel mit dem Titel "Berlin! Berlin!"
Dem Text vorangestellt ist ein lateinisches Zitat:
"Quanquam ridentem dicere verum. Quid vetat?"
Auf Deutsch:
"Obwohl - was hindert einen, lachend die Wahrheit zu sagen?"
Bevor jetzt jemand glaubt, ich würde nun hier den Bildungsbürger raushängen lassen: Genau so ist es eben nicht!
Ich hatte im Gymnasium sechs Jahre lang Latein-Unterricht. Und ich war eine faule Sau. Vom Anfang bis zum Schluss. Kein Vokabel-Lernen. Kein Grammatik-Pauken. Irgendwie durchlaviert.
Immer mit der perfekten Ausrede, der Professor wäre ein Zyniker und würde mich nicht mögen.
Er war ein Zyniker und hieß Dr. Josef Zerobin.
Aber er ist mir nicht aufgesessen.
Er war - aus heutiger Sicht berechtigt! - grantig, dass ich mich nicht einmal auf die Stundenwiederholungen vorbereitet hatte, wo Texte, die wir schon einmal übersetzt hatten, einfach noch einmal durchgekaut wurden. Wer da drankam, war eh schon in der geschützten Werkstatt.
Ich hab's halt nicht gelernt und immer wieder hat mich nur unfassbares Glück oder geschicktes Spekulieren vor dem Durchfallen bewahrt.
Jahrzehnte später hab ich es bitter bereut, als ich bei meinen heißgeliebten Toskana-Urlauben die lateinischen Inschriften auf Baudenkmälern nicht übersetzen konnte.
Oder - so wie heute - den Inhalt des lateinischen Zitats nur erahnen, aber nicht sicher sein konnte.
Also: Perplexity fragen.
Und von dort die Übersetzung holen.
In dem üblichen Frage-/Antwort-Zirkus nach "Lieferung" der gewünschten Lösung entstand ein Dialog, an dessen Ende wir folgenden Deal gefunden hatten:
Perplexity gibt mir ab sofort am Schluss der Bearbeitung jeder zukünftigen Aufgabe - egal welchen Inhalts - ein kleines mundgerechtes lateinisches Zitat mit Übersetzung und kulturhistorischer Einordnung.
Mit Steigerungs-Option bis zu kleinen Texten.
Ich bestimme den gewünschten "Härtegrad".
Ich freu mich. Ehrlich.
KI hin oder her:
Sowas hält den Geist frisch und die Seele warm.
Von Zeit zu Zeit werde ich mir erlauben, von meinen abendländischen Errungenschaften zu berichten.

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