HAUSVERSTAND.

So nennt man in Österreich das, wozu meine deutschen Freund*innen „gesunder Menschenverstand“ sagen. Hausverstand beschreibt, was die Menschen sozusagen von Haus aus kennen oder wissen sollten, um ein alltagstaugliches Leben und ein friedliches Miteinander auf die Reihe zu kriegen.

Mir scheint, da ist in den letzten Jahren einiges aus dem Lot geraten.

Ich schreibe einfach ein paar sehr persönliche Anregungen auf, von denen ich hoffe, dass sie nicht allzu schwer umzusetzen sind. Keine neuen Erkenntnisse, nur die Erinnerung an Verhaltensweisen, die wir schon einmal besser draufhatten.


Die eigene Freiheit endet dort, 

wo die Freiheit der anderen beginnt.


Es wäre schön, wenn man U-Bahn- oder Zugfahren dürfte, ohne von einem Dauer-Tinnitus von auf Lautsprecher geschalteten Handys beschallt zu werden. Oder auch von lautstarken Selbstbeweihräucherungen mitreisender Abteilungsleiter-Stellvertreter, die sich gegenseitig ihre Excel-Sheets vortrompeten. Mittlerweile hat sich dieser Virus auch auf Restaurants ausgebreitet, wo man sich anschreien muss, wenn man die entgleisten Dezibel des Nachbartischs übertönen will oder muss.


Der andere Mensch könnte Recht haben.


Ein Verdacht, der leider fast vollständig außer Kraft ist. Diese Minimal-Ausstattung an Toleranz sorgt in ihrer großen Variante für so etwas Wunderbares wie Diskurs, wo wir das Gespräch nützen, um voneinander zu lernen und nicht, um den „Gegner“ zu besiegen. Banale Grundvoraussetzung: Zuhören. Zuhören, um zu verstehen und nicht, um während des eigenen Schweigens das „tödliche“ Gegenargument aufzubereiten.


Verantwortung übernehmen.


Verantwortung ist eine höchstpersönliche Angelegenheit. Noch nie hat eine Gruppe oder ein Team kollektiv Verantwortung für irgendetwas übernommen. 

„Search all the parks in all the cities – you´ll find no statues of committees.” hat schon der kluge David Ogilvy gesagt und er hat aus meiner Beobachtung absolut recht. Das klingt in Zeiten von „shared/servant leadership“ sehr altmodisch. Ein simpler Reality-Check zeigt aber, dass es doch so gut wie immer jemanden braucht, der/die sich für ein Projekt den Hut aufsetzen muss, um spätestens im Krisenfall eine beherzte Entscheidung treffen zu können, für die er/sie dann auch persönlich grade steht. 

 

Achtsamkeit, Toleranz und Verantwortung.


Mit diesen Grundtugenden könnte man miteinander leben. Ziemlich sicher besser, als es uns jetzt grade gelingt.

 

 

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