Harmoniesüchtig.

Schon sehr lange hat mich nichts so erschreckt, wie der Auftritt des US-amerikanischen Außenministers auf der Münchner Konferenz. 


Der Mann ist der Faserschmeichler Trumps und sülzt mit weichgespülten Formulierungen rum, die nichts anderes sind, als purer Rassismus.


Er reitet auf einer Schleimspur ein und die Anwesenden rutschen augenblicklich darauf aus.

Standing Ovations für einen Rosstäuscher, der die uralte Methode von Zuckerbrot und Peitsche einsetzt, um eine klare Botschaft zu vermitteln: 

Wenn ihr brav seid, haben wir Euch lieb, aber wenn nicht, werden wir sehr ungemütlich.

Das ist ein klassischer "Double Bind", eine der übelsten Methoden der emotionalen Erpressung - 

die Hand, die Dich streichelt, schlägt Dich auch.


Niemand, der noch halbwegs bei Trost ist, würde sich so etwas von einem echten Freund gefallen lassen. 


Wohl aber ein Großteil des deutschsprachigen Kommentarwesens.


Warum ist das so? 

Ein paar Vermutungen.


Harmoniebedürftigkeit sieht man sehr oft bei Menschen, deren Konfliktfähigkeit unterentwickelt ist. Motto: Ich will lieb gehabt werden und um diese Liebe zu erhalten, verzichte ich auf das wirksamste Zauberwort der Selbstbestimmung: NEIN. 

(Nicolas Chamfort: "Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit.")


Wehe, ich sage Nein, dann falle ich aus der Komfortzone der Selbstentwertung, die mir doch den vermeintlichen Frieden und ab und zu ein paar Leckerlis bringt, die mir durch die Gitterstäbe des selbstgewählten Gefängnisses zugeworfen werden. 


Diesen Selbstbetrug um den Preis der Würdelosigkeit kann man in privaten Beziehungen genauso beobachten, wie in großen politischen Szenarien. 


Er zeigt sich im Umgang mit Psycho- und Soziopathen genauso, wie im lebensgefährlich fahrlässigen Verhalten liberaler Demokratien gegenüber den immer rabiater werdenden Faschisten und im Großen in der Zahnlosigkeit versus Trump und Putin, die man - lange unvorstellbar - schon im gleichen Atemzug nennen kann. 


"Wir müssen doch den Faschisten fairen Raum in den (öffentlich-rechtlichen) Medien geben, dazu sind wir verpflichtet, wir müssen ja doch alle abbilden." 

Nein, müssen wir nicht, denn kein System der Welt päppelt selbst jene Gegner auf, die es umbringen wollen. 


"Wir müssen Trump/Putin bei Laune halten, denn der eine hat die Waffen und der andere das Gas, das sollte doch ein fairer Deal sein."

Nein, sollten wir nicht, denn der eine f... uns von vorne und der andere f... uns von hinten und das gleichzeitig.


Es ist eine Binse aus dem Konflikt-Management, dass Konflikte behandelt werden sollen und nicht gewonnen oder verloren. Es geht nicht um Sieg oder Niederlage. Nicht um Leben und Tod. Das wäre die Regression ins Neandertal.


Wenn Rubio schon Europa als gemeinsame abendländische Wiege einsülzen will, dann sollten ihm zumindest jene Werte etwas bedeuten, die auf dem alten Kontinent entstanden sind: 

Demokratie und Aufklärung. 


Aufklärung, die im Englischen "Enlightenment" heißt.

Enlightenment! 

Das müsste man jenen mit dem Megaphon entgegenschreien, die ständig den Globus verdüstern mit ihrer Borniertheit, Wissenschaftsfeindlichkeit, mit ihrem Rassismus und - ja! - ihrer atemberaubenden Dummheit. 


Solange uns Trump und Putin die europäischen Faschisten als "Lösung" unserer Probleme andienen wollen, gibt es nicht den kleinsten Grund, einem Schleimer wie Rubio standing ovations zu spenden. 


Dafür sind die Soldaten, die vor 90 Jahren die Welt vom Faschismus befreit haben, die mutigen zivilen Kämpfer*innen im Widerstand und die Millionen Ermordeten nicht gestorben, dass wir ihre Opfer heute in einer Tonne Schleim ertränken. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0