REDITUS.

"Antibiotikas" (statt Antibiotica), "cora publikum" (statt coram publico, denn es ist nicht die Kora, die vor Publikum auftritt), "Stati" (statt Status, denn der Plural von Status ist Status) und vieles mehr dieser Art. 

All das könnte man mit dem "kleinen Latinum" wissen. Und wenn man kein kleines Latinum (= 2 Schuljahre Latein-Unterricht) hat, sollte man nicht mit Ausdrücken herumdilettieren, die man nicht kennt.

 

Der österreichische Bildungsminister Wiederkehr (lat. Reditus) möchte den Latein-Unterricht in der Oberstufe von 3 auf 2 Wochenstunden kürzen und statt dessen die Kenntnisse in den digitalen Fähigkeiten ausbauen. 

Und die Legionen der Verteidiger*innen des Abendlands schnüren die Sandalen, setzen die Helme auf und marschieren gegen diesen kulturellen Affront. 

 

Ich bin ganz auf der Seite des Ministers.

Weil es mich schon sehr nervt, wenn Menschen aus Urlaubsreisen berichten und - bei allem Respekt vor deren Horizonterweiterungen - dann in Fremdsprachen herummurksen, die sie nicht verstehen. 

Ich fände es wunderbar, wenn es zur Grundausstattung eines gebildeten Menschen zählen dürfte, das kleine Latinum absolviert zu haben. Damit man auf dieser Basis einen tatsächlich leichteren Zugang in Fremdsprachen findet. 

Wer den Hexameter der Metamorphosen des Ovid lernen möchte oder wissen will, was Proskynesis ist, kann ja gerne Latein und Altgriechisch lernen. 

 

Wer hingegen wissen will, was Aristoteles zum "Staat" zu sagen hatte oder in die Weisheiten Ciceros eintauchen will, sollte das in einem sehr modernisierten Ethik-/Staatsbürger*innen-Unterricht lernen (und zwar als Pflichtgegenstand). Und dann gleich auch Prozentrechnen, damit die Faschos endlich lernen, was der Unterschied zwischen Wahlberechtigten und Wahlbeteiligung ist. 

 

Diese Kombi aus Grundkenntnissen klassischer Sprachen und alltagstauglichen Fähigkeiten in der politisch-digitalen Welt wäre so ganz nach meinem Geschmack.

Und das würde wohl auch den Respekt vor den Nobelpreisträger*innen fördern, die sich jetzt mit Unterschriftenlisten pro 3 Stunden Latein ereifern.

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Kommentare: 1
  • #1

    Martina Pecher (Freitag, 06 Februar 2026 15:29)

    Bin ganz deiner Meinung. Ich hatte 6 Jahre Latein als Pflichtgegenstand, obwohl ich in ein realistisches Gymnasium gegangen bin. Wie gerne hätte ich nach 2 Jahren Latein in eine lebende Sprache gewechselt. Französisch musste ich dann aus beruflichen Gründen lernen und es ist mir sehr schwer gefallen. Latein hat mir nicht viel geholfen und ich hab es auch sonst kaum mehr gebraucht, außer um mich manchmal wichtig zu machen. ;) lgmartina