BUMMERLWITZIG

In meinem Geburts-Bundesland Oberösterreich gibt es den Ausdruck "bummerlwitzig". Wenn ich mich nach fast 50 Jahren Abwesenheit richtig erinnere, beschreibt er das, was das Sprichwort "Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis tanzen" meint.


Bummerlwitzig - so erscheint mir die Denk- und Verhaltensweise von einer erschreckend großen Anzahl von Menschen, die - politisch wohlstandsverwahrlost - die Großartigkeiten der pluralistischen liberalen Demokratie ver- und missachten und sich den Faschismus herbeiwünschen. 

Auch wenn Ihnen möglicherweise nicht klar ist, 

dass sie mit ihren Ansichten und Wünschen Faschisten sind. 


Mir erscheint das so schmerzhaft als Rütteln am Watschenbaum und es macht mich so wütend, weil die herabfallenden faschistischen Ohrfeigen uns alle begraben werden - auch jene, die "nur" als Zuschauer daneben stehen, während die Attentäter das von ihnen verhasste System umbringen. 


Ich weiß nicht, ob die Herren Dunning und Kruger das nach ihnen benannte Syndrom in der nun potenzierten Größenordnung noch so benennen würden - aber es geht schon längst nicht mehr um die Dummheit, die den Dummen nicht bewusst ist. 

(Der Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet die kognitive Verzerrung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen, das eigene Wissen und Können bezüglich eines bestimmten Bereiches zu überschätzen.)


Das Syndrom hat sich weiterentwickelt in einen irren Stolz, so strunzendeppat zu sein, wie man eben ist und in eine lebensgefährliche Ignoranz, mit der die stille/untätige Mehrheit von einer rabiat/indolenten Minderheit in den Abgrund gerissen wird. 


Schreckliche - in der Vergangenheit belächelte - Bildungslücken werden nun zur tödlichen Bedrohung. Die Schwäche der FPÖ-Fans im Prozentrechnen hat sich nun in eine irre Wahnidee ausgewachsen, die Mehrheit der Bevölkerung darzustellen, nur weil - schlimm genug - die FPÖ die RELATIV stärkste Partei im Parlament und den Umfragen ist.

Detto die Mär, dass der amtierende Kanzler nicht "gewählt" ist, ungeachtet der in der Verfassung festgeschriebenen Tatsache, dass der Kanzler vom Bundespräsidenten beauftragt wird. 

Oder auch in Ignoranz des Umstands, dass die Mehrheit in der Bevölkerung auch bei 39 Prozent Zustimmung für die Effen, halt immer noch 61 Prozent "Andere" sind.


Das ist die Krux der ganzen Misere.

Es gibt den antifaschistischen Grundkonsens jenseits der FPÖ einfach nicht - wahrscheinlich hat es ihn in reiner Form nie gegeben. Dieser Grundkonsens würde schon dort ansetzen, wo er am dringendsten notwendig ist: Die FPÖ als das zu bezeichnen, was sie in ihrer ganzen DNA ist: Eine faschistische Partei. 

Und aufzuräumen mit dem Irrtum, die FPÖ wäre eine demokratische Partei. Nein, die FPÖ ist keine demokratische Partei. Sie lässt sich mit demokratischen Mitteln wählen, um die Demokratie abzuschaffen. 

Der Faschismus in Österreich ist wie politischer Herpes - er sitzt im Nervengeflecht des politischen Organismus und braucht nur ein paar Trigger von politischem Stress, um auszubrechen. 


Unterstützt von der historisch lange etablierten Fahrlässigkeit der Konservativen, die die Faschisten als rotzige Verwandte mit schlechten Manieren betrachten, sich aber nie von ihnen substanziell abgegrenzt haben. 

Geduldet von der Zerrissenheit der Linken, die es nicht und nicht hinkriegt, auf den Betrug der Faschos hinzuweisen, die vom Großkapital finanziert die Unselbständigen an allen Ecken und Enden betrügen - siehe auch die vor einem Jahr widerliche Einflussnahme der Industrie auf die Regierungsbildung in Österreich. 

Zerredet von den Wortpolizisten der Alternativen, die bewusstlos auf der siebzehnten Kommastelle herumreiten, während die gesamte Rechnung auf Tod und Verderben gebürstet ist. 

Und zynisch-elitär kommentiert von den liberalen Kreuzworträtselkönigen, die sich verbal aufplustern, während sie die wirtschaftliche und soziale Polarisierung ungerührt weiter forcieren. 


In dieser Bummerlwitzigkeit auf allen Ebenen der politischen Kultur wohnt der Niedergang eines Systems, das an seiner eigenen Dekadenz erstickt. 

Je weniger es den ohnehin mürben Antifaschismus gibt, umso schneller ist es vorbei. 

Vorbei mit der Demokratie, dem Wohlstand für alle, 

der Aufklärung, der Wissenschaft, der physischen und psychischen Gesundheit, dem Frieden in den Menschen und in der Welt. 


Faschismus ist keine Meinung.

Faschismus ist ein Verbrechen.

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