
Heilsbringer.
Ich wurde eine Woche nach meiner Geburt katholisch getauft.
Vor 40 Jahren bin ich aus der Kirche ausgetreten, weil mir der reale Verein auf Erden und so vieles, wo Wort und Tat nicht übereinstimmten, sehr fremd geworden waren.
Dem lieben Gott hab ich aber nicht gekündigt.
Das "Vater Unser" - eines der Kernelemente der Bergpredigt - dient mir als Referenzrahmen und Nordstern für ein ordentliches Leben. Da ist alles enthalten, was zum guten Mensch-Sein gebraucht wird. Das tägliche Brot, die Vergebung der Schuld, die Erlösung vom Bösen.
Alles Impulse, die in dieser Zeit des Jahres - und zu allen Jahreszeiten - von großem Nutzen sein könnten.
In einer Zeit, in der sich die spirituellen und profanen Heilsbringer gegenseitig auf die Zehen steigen.
Und die Bergpredigt von Glühwein, Lametta, Kaufrausch und narzisstischer Inszenierung überwuchert wird. Nichts von ihren Kernelementen darf aktuell eine Rolle spielen:
Der Fokus auf den Armen, Traurigen, Hungrigen nach Gerechtigkeit, Barmherzigen, Reinen im Herzen und Friedensstiftern.
Die radikale Nächstenliebe. Lieben, segnen, Gutes tun statt vergelten. Der Verzicht auf Vergeltung als das nachhaltige Durchbrechen von Gewaltspiralen.
Almosen, Gebet, Fasten sollen verborgen geschehen, ohne pharisäerhafte religiöse Selbstdarstellung.
„Sorgt euch nicht“: Die Grundhaltung des Vertrauens, dass der Mensch mehr wert ist als Nahrung und Kleidung.
Der Maßstab für Ethik ist die Goldene Regel: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen.“
Mit diesem Grundgedanken ist auch eine Brücke zur Aufklärung und dem kategorischen Imperativ möglich:
"Handle so, dass die Maxime Deines Handelns zur Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung werden könnte."
Da bin ich am liebsten daheim. Denn ich brauche kein Wasser zu Wein Verwandeln, keine Handauflegungen, keine Wunderheilungen, um die Sinnhaftigkeit der allgemeinen Menschenliebe zu begreifen.
Ich brauche schon gar keine Selbstdarsteller, die keine Scham haben, sich bis in die peinlichsten Exzesse hinein zu inszenieren, die den Weltfrieden genauso gefährden, wie den Frieden in den Herzen der einzelnen Menschen und ihrer Familien.
Ich kann aber auch mit der Hoffnung nicht mehr allzu viel anfangen. Denn Hoffnung heißt beten, dass alles gut wird.
Ich wünsche mir so viel mehr Zuversicht.
Zuversicht verstanden als das Wissen, dass man es aus eigener Kraft schaffen kann.
Zuversicht, dass am Ende doch das Wissen und die Vernunft über den Wahnsinn und die Paranoia siegt. Wenn wir zur Besinnung kommen und auf das konzentrieren, was uns von Hass und Ausgrenzung unterscheidet.
Sapere aude!
Lasst uns um Gottes Willen zur Vernunft kommen.

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Marlies Nikbakhsh (Samstag, 20 Dezember 2025 23:25)
Auf dem Punkt wie immer. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie schöne Feiertage.
Herzliche Grüße, Marlies
Thomas Liedl (Sonntag, 21 Dezember 2025 00:29)
Sehr schön lieber Hannes, sehr schön!
Danke