Gerade in Zeiten wie diesen brauchen wir die FPÖ. Ja. Wirklich.
Erinnern wir uns doch ein paar Augenblicke lang an die Gründungsgeschichte dieser Partei.
Gleich nach dem Kriegsende 1945 wurde die NSDAP verboten und ein paar höchst symbolische Prozesse gegen Nazi-Verbrecher fanden statt. Und einige Tausend Parteimitglieder waren für kurze Zeit mit Berufsverboten belegt. Bis das von diesen gehasste "System" ohne die vielen Fachkräfte nicht mehr funktionierte. Lehrer, Ärzte, Richter (ja, auch Richter!) amtierten nach Freischaltung der nicht gerade zum Himmel stinkenden Alt-Nazis wieder und walteten ihrer Ämter.
Ah ja, denen hatte man ja auch das Wahlrecht aberkannt. Und wer arbeitet, soll auch wählen, dachte man damals - eine Erkenntnis, die in ihrem praktischen Gehalt heute sehr vielen, die bei
uns arbeiten, nicht zum Nutzen gereicht.
Nun denn: Wen oder was sollten die denn damals wählen. Ihre selbstgewählte politische Heimat war verboten und bei den bestehenden Parteien konnten sie nicht unterschlüpfen. Auf die Sammel-Leidenschaft der anderen Parteien in Form ihrer Vorfeldorganisationen geh ich jetzt nicht ein, vermerke nur mit ein bisschen Genugtuung, dass der wunderbare Caspar Einem wenigstens beim BSA spät aber doch für historische Ordnung gesorgt hat.
Also haben ebendiese "Alt-Parteien" dafür gesorgt, dass es ein politisches Auffangbecken für die Braunen gibt. So entstand erst einmal der VdU (Verband der Unabhängigen) - gegründet von ein paar Alibi-Liberalen und einem Haufen alter unbekehrter Nazis und SSler. Aus dem VdU wurde dann bald die FPÖ (nachdem die allermeisten Gründungs-Liberalen wieder abgehauen waren).
Und die hamma jetzt immer noch.
Die FPÖ.
Weil ein Land wie Österreich mit seinem unausrottbaren braunen Bodensatz eben ein Sammelbecken für diesen braunen Bodensatz braucht. Ein Forstwirt hat mir einmal erklärt, dass man oft
bewusst in einem Wald unter den gesunden Bäumen einen Baum stehen lässt, auf dem die Borkenkäfer wohnen, damit alle Borkenkäfer sich dort versammeln und die gesunden Bäume in Ruhe lassen. Genau.
So isses.
Wir brauchen die FPÖ.
Damit alle anderen Parteien ein Bild des Schreckens vor Augen haben, nur ja nicht so zu werden, wie die. So sollte es jedenfalls funktionieren. Hat sich leider nur noch nicht bis zur ÖVP
herumgesprochen. Und zu Teilen der SPÖ. Auf dem Sündenfall von 1983 bis 1986 will ich jetzt nicht herumkauen, weil die Mikro-Partei FPÖ damals eine Honoratiorenpartei von Apothekern, Ärzten und
Anwälten war - siehe oben.
Wir brauchen die FPÖ.
Weil sie sich bis heute nicht zur österreichischen Nation bekennt - (Haider: "Die österreichische Nation ist eine ideologische Missgeburt") - und das den anderen Parteien die Chance zu einer sehr österreichischen Definition von "Heimat" böte.
Auch das hat sich noch nicht überallhin durchgesprochen.
Wir brauchen die FPÖ.
Weil irgendwer muss sich um die Schwurbler, die Wissenschaftsfeinde, die Rassisten kümmern. Solange die anderen Parteien sich um die Aufklärung und den Humanismus annehmen.
Wir brauchen die FPÖ.
Weil wenn die anderen Parteien endlich einmal im Dienste der liberalen Demokratie zusammenstünden, dann wäre jede Wahl eine Minderheitenfeststellung all jener, die auf diese Demokratie
scheißen. Und das sollen dann halt meinetwegen 35 Prozent sein, die in ihrer Gehschule im Parlament herumkrakeelen dürfen und ihre tägliche Viertelstunde Rambazamba kriegen.
Wenn wir die FPÖ so dringend brauchen, in diesem Österreich, das so seltsam mit seiner Freiheit umgeht, dann brauchen wir auch das Gegengewicht all jener Parteien, die halt nicht so sein
wollen, wie die ewigen Faschisten, die bei uns einen so gesicherten Nährboden vorfinden.
Und die Erkenntnis dieser anderen Parteien,
dass es eine saublöde Idee ist, so sein zu wollen,
wie die FPÖ. Denn das - dieses so sein wollen, wie die - macht die FPÖ erst richtig groß. Und dann funktioniert das mit dem Borkenkäfer-Baum nimmer und der ganze Wald geht kaputt.

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Thomas Liedl (Freitag, 11 Oktober 2024 18:43)
Großartig, lieber Hannes!
Andreas Brinker (Samstag, 12 Oktober 2024 14:13)
Stimme voll zu. Und das lässt sich ja auch wunderbar auf Deutschland übertragen. Auch hier braucht es die AfD. Auch hier braucht es das Sammelbecken für die Schwurbler und Rassisten und Spießer und so weiter.. Und diese Verbot Diskussion ist sowieso sowas von an der Sache vorbei . Erstens solange eine Partei demokratisch zugelassen ist und demokratisch gewählt wird, kann man sie nicht so einfach verbieten und auf der anderen Seite was machen dann die 20-40 % der Wähler je nach Bundesland, wenn die AfD verboten wird? Und was machen dann die Politiker, wenn die AfD weg ist? Das einzige Druckmittel aus ihrer inkompetenten und bräsigen und selbstverliebten Politik rauszukommen entfällt . Nein danke.