Am Tag danach.

Alexander van der Bellen ist für weitere 6 Jahre als Bundespräsident der Republik Österreich gewählt. 

Das ist würdig und recht.

Ich habe ihn dieses Mal nicht gewählt. Die Gründe dafür sind nachlesbar im vorherigen Blog. 

Ich habe Dominik Wlazny gewählt, weil ich seine Haltung und seine Ideen mag. Viele sagen, das wären keine adäquaten Ideen für das Präsidenten-Amt. Mir genügen genau diese Ideen, um sein Menschenbild und seinen politischen Zugang einschätzen zu können und genau das gefällt mir.


Ich bin zufrieden mit meinem politischen Radar.

Nach mindestens 55 Jahren politischen Interesses und dem Studium der Politikwissenschaft darf ich mich freuen, die Lage passend eingeschätzt zu haben. Fast 40 Jahre im direkten und indirekten Kommunikationsgeschäft haben mich sensibel gemacht für offensichtliche taktische Argumente.

Ich habe nie - nicht einen Augenblick lang - geglaubt, dass die Gefahr einer Stichwahl zwischen VdB und dem Schmissträger ernsthaft besteht. Das ist jetzt leicht zu sagen, es stimmt aber, seit ich wusste, dass Rosenkranz antritt. Das Panik-Argument der Stichwahl war sehr grob gedacht und schon so oft von anderen Amtsträgern missbraucht worden, dass ich dem keinen Glauben schenken wollte - die Faktenlage war wirklich nicht entsprechend. 

So wie ich den ganzen Wahlkampf hindurch den unglaublich schlichten (ich vermeide hier ein gröberes Adjektiv) Wahlkampf der VdB-Truppe mit großer Abneigung beobachtet habe. Ganz besonders die wirklich erbärmlichen Untergriffe der "Jungen Grünen" gegen Wlazny. 

Und so war es ein guter Tag und ein noch besserer Abend, als es keine Stichwahl geben musste und mein Kandidat ein achtbares Ergebnis erzielte und ich nach langer Zeit wieder das glückliche Gefühl entwickeln durfte, nach persönlicher Präferenz gewählt zu haben. 

So und nicht anders ist mein Satz auf Facebook zu verstehen, dass wegen Leuten wie mir VdB nicht in eine Stichwahl musste - weil Leute wie ich jemanden anderen wählen konnten, ohne die Schmach einer Stichwahl herauszufordern. 


Am Tag danach wünsch ich mir was.


- Eine grundlegende Änderung der wichtigsten Parameter rund um das Amt des/der österreichischen Bundespräsidenten/in.

- Eine (1!) Amtszeit von 8 Jahren ohne Wiederwahl-Option.

- Eine dramatische Reduktion der Kompetenzen des Präsidenten auf das Niveau des deutschen Kollegen. Die theoretische Machtfülle des österreichischen Präsidenten kommt aus der Verfassung von 1929, die eine viel weniger ambitionierte Version aus 1920 ablöste und schon einen Ausblick gewährte auf die autoritären Tendenzen ab 1933. So ein Konstrukt weckt unappetitliche Gelüste unappetitlicher Kandidaten und sollte so schnell wie möglich weggeräumt werden. 

Wenn diese Verlockungen wegfallen, bin ich für die Beibehaltung der Volkswahl. Ansonsten für ein Deutsches oder auch Schweizer Muster.

- In Zukunft sollte ein Kandidat mindestens 30.000 Unterstützungserklärungen vorweisen müssen, damit er/sie überhaupt kandidieren kann. Das ist das 5-fache der derzeitigen Zahl und hätte vielleicht meinen Wunschkandidaten aus dem Rennen genommen, uns aber eine große Zahl von Würschtelkochern auf der Liste erspart.


So wünsche ich dem neuen/bisherigen Bundespräsidenten eine robuste Gesundheit an Körper, Geist und Seele und uns eine bessere Zeit.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Gregor (Montag, 10 Oktober 2022 14:58)

    ...da sind wir (eh gefühlt zu ersten Mal) nicht einer Meinung.