Seltsam.

Da ist einer, der mit knapp 33 Jahren schon eine sehr hohe Führungsposition bekleidet hat. An seiner Ausbildung kann es nicht gelegen sein. Matura, abgebrochenes Studium, kurzes Praktikum in einer Versicherung, langes "Studium" des Innenlebens seiner Partei.

Von all den wohlbestallten Spendern, Förderern und Adoranten würde wohl keiner jemandem wie ihm eine Top-Position im eigenen Unternehmen geben. Zurecht. 

Denn die dort arbeitenden jungen Mitarbeiterinnen mussten allesamt sehr selektive Ausbildungswege beschreiten. 

Nun denkt man sich in einem solchen Fall: Nicht vorschnell jemanden verurteilen, vielleicht hat der junge Mann menschliche Qualitäten, die ihn zu einem empathischen, mitreissenden Motivator machen, der sich nach Kräften bemüht, durch Herzensbildung die Defizite der Schulbildung wettzumachen.

Leider nein. Der junge Mann versucht, durch gut trainierte Manieren und wohlformulierte Sätze die gähnende Leere der Menschlichkeit zu füllen. Und es funktioniert. 

Die Medien mögen ihn. Manche sogar ziemlich peinlich in ihrem Adorantentum.

Die Menschen "draußen" auch - jedenfalls in einem erstaunlichen Ausmaß. Sogar junge Leute, die sich sehr bemühen müssen, um im Wettbewerb nicht unterzugehen, freuen sich. Manchen von ihnen genügt es schon, dass es einer, der so alt ist wie sie, so weit gebracht hat.

Ein Großteil der bürgerlichen Edelfedern - sonst gnadenlos im Vorführen qualitativer Ungereimtheiten - schreibt unbekümmert weiter über die neuen Kleider des nackten Adonis. 

Dann gibt es eine Frau. Sie ist Ende 40, hat Kinder, eine exzellente abgeschlossene Ausbildung als Ärztin - inklusive Habilitation - eine anerkannte Expertise in ihrer bisherigen Berufslaufbahn. Sie mag die Menschen. 

Das kann man spüren. Wenn sie sich zu ihnen setzt, ihre Hände in die eigenen nimmt, mitfühlt. Sie hat Pech. Muss die Nachfolge eines gescheiterten Hoffnungsträgers antreten. Wird von - großteils männlichen - intellektuellen Notstandsgebieten umzingelt, die die Schwächen der Frau hervorheben, statt ihre Stärken herauszuarbeiten. Sie ist auf Konsens ausgerichtet und wird von ihrem Mitbewerber, der sie und ihre Partei endgültig wegräumen will, gnadenlos vorgeführt.

Leider fehlt ihr der resolute Plan, der ihr als Kompass durch die schwere Zeit helfen würde.

Und die Edelfedern haben ihre Freude. 

Sie ziehen ihr die Haut in Streifen ab. 

Und die Frau spielt immer wieder mit und markiert sogar unbewusst, wo man ihr ganz besonders weh tun kann.


Im politischen Leben hat die Frau keine Chance. Sie wäre zwar so etwas wie ein "wounded healer" - jemand, dem man das Mitgefühl abkauft, weil sie selbst weiß, was Schmerz bedeutet.

Im politischen Marketing hat sie aber nur sehr eingeschränkte Optionen. Der Jahrmarkt der Eitelkeiten duldet keine Blößen. Die Fremdenführer der politischen Verführung zeigen lieber potjemkinsche Dörfer, statt Gebäude, deren Verputz bröckelt, die aber auf soliden Fundamenten stehen.


So wird die leere Mogelpackung wohl wieder gewinnen. Über das angeknackste Produkt in der überarbeitungsbedürftigen Verpackung.


Seltsam. Sehr seltsam.

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Kommentare: 1
  • #1

    Marion (Montag, 08 Juli 2019 17:27)

    Genial doc