Das war einmal ein Slogan, den Kreisky in einer seiner mit absoluter Mehrheit belohnten Werbekampagnen einsetzte. Das war zu einer Zeit, als die SPÖ noch richtige und richtig gute Profis in der Kommunikationsarbeit am Werken hatte. Ich weiß noch, wie ich - damals noch auf Seiten der JVP - immer wieder wütend war, wie geschickt "die Roten" kommunizieren konnten.
Heute ist es genau umgekehrt und wieder bin ich auf der "falschen" Seite. Seltsames Karma...
Was aber "in Zeiten wie diesen" recht nützlich und auch notwendig ist, ist dem nun besonders beliebten Instrument des "Whataboutism" entgegenzutreten.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie meine Eltern meine Schulnoten zu relativieren pflegten - blöderweise immer zu meinen Ungunsten. Wenn einer meiner Schulfreunde ähnlich schlechte Noten hatte, wie ich, hieß es: Na, wenn Du Dich mit DEM vergleichst.
Hatte derselbe eine bessere Note, war die Sache klar: Na bitte, sogar DER schafft einen Dreier, nur Du schon wieder nicht.
Genauso funktioniert der Whataboutism.
Wenn wieder einmal ein brauner Einzelfall aufplatzt, wird dem ein roter Ausrutscher entgegengehalten. "Bitte, Herr Direktor, der Hansi hat auch ein Fenster eingeschossen!"
Sehr beliebt auf der Whataboutism-Showbühne: Bitte, der Kreisky hat auch vier Ex-Nazis in seiner ersten Regierung ghabt und mit der FPÖ gepackelt. Ja. Stimmt. Und das wird immer eine Schande bleiben und auf Kreiskys innere Motive ein seltsames Licht werfen. OHNE Entschuldigungs-Versuch:
Als Kreisky "seine" vier Ex-Nazis in der Regierung hatte, geschah das zu einer Zeit, als viele der Belasteten noch am Leben waren. Sehr viele dieser Leute waren echt geläutert. Ich kannte einige ganz hervorragende Beispiele persönlich.
Wer heute ein Faschist ist, tut dies gegen alles Wissen über die bestialische Nazi-Zeit und macht sich dadurch mindestens so schuldig wie die "realen" Täter und Mitläufer aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Und wenn wir schon beim Umgang mit dieser Zeit und ihren Abkömmlingen sind:
Die SPÖ war die erste Partei, die in den 90er-Jahren unter der Federführung des beherzten Caspar Einem aufgeräumt hat mit dem verschluderten Umgang mit den Ex-Nazis über all die Jahre nach dem Krieg. Da hing in den Klubräumen der ÖVP noch immer das Dollfuß-Bild und der Bedarf nach innerer Sauberkeit war sehr endenwollend.
Ganz zu schweigen von der FPÖ, die erst im 21. Jahrhundert eine angebliche Historikerkommission eingerichtet hat, deren "Ergebnisse" nicht und nicht ans Licht der Öffentlichkeit finden.
Und heute - am Gedenktag der Befreiung Mauthausens - schafft es der Halbbildungs-Kanzler leider wieder nicht, einen Unterschied zwischen Krieg und Rassismus zu erkennen. Es gab zum unerträglichen Leidwesen der Betroffenen auch vor dem 2. Weltkrieg schon Konzentrationslager. Das schafft der Kanzler nicht: Den Faschismus zu begreifen, der auch ohne Krieg und Antisemitismus eine menschenverachtende Ideologie ist. Und um unermessliche Dimensionen schlimmer ist er es mit Krieg und einem Antisemitismus, der in industriellen Massenmord mündete.
Und es ist unerträglich, wenn ständig darauf verwiesen wird, wie schrecklich Rechts- UND Linksradikalismus sind. Wir haben keinen Linksradikalismus, der Menschen mit Ratten vergleicht und Flüchtlinge mit Höhlenbewohnern und wir haben keine linksradikalen Politiker, die in ihrer Jugend bei Wehrsportübungen gelernt haben, wie man dem Gegner den Hals aufschneidet.
Und es ist erbärmlich, wenn es ein Bundeskanzler der Republik Österreich nicht schafft, einen Unterschied zwischen Marx, Lenin und Stalin zu machen. Wenigstens beim Nobelpreisträger Solschenyzin könnte man nachlesen. Aber der hat ja leider auch vor der Geburt des Kanzlers geschrieben.
Es ist anstrengend. In Zeiten wie diesen.

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Robert Dengscherz (Sonntag, 05 Mai 2019 22:43)
"… und wieder bin ich auf der "falschen" Seite."
Es hilft nichts. Um die Demolratie zu retten, musst du wieder ÖVP-Anhänger werden �
elfi (Montag, 06 Mai 2019 02:03)
genauso unwürdig ist es ! lg
Helena (Montag, 06 Mai 2019 10:16)
also würde man dir eine Kolumne in einer österreichischen Tageszeitung geben, würde ich sogar ein Abo erwägen...
Mit dir bekomme ich das Gefühl, dass in diesem Lande noch nicht alles verloren ist - und wir werden immer mehr!
Marion (Montag, 06 Mai 2019 11:21)
lieber Doc Sunshine, du schreibst immer das was ich mir auch denke: nur um die rechten Extremisten abzuschwächen, wird immer wieder eine Gleichstellung von Rechts- und Linksradikalen herbeigeredet, die einfach nur erfunden ist. In Zeiten wie diesen ist es an der der Zeit, dass die linken endlich gut beraten werden. Du weisst was ich mein ;-))))