Jetzt sind also 5 Quartale vergangen, seit diese mehr als seltsame Regierung die Geschäfte übernommen hat. Mit was für einem Windei von Getöse ist sie angetreten.
Neuer Stil. Reformstau beheben. Schluss mit der Packelei. Frieden, Wonne, Eierkuchen im Ministerrat.
War eh schon schwer, das im Vorhinein zu glauben - nach all der Verkürzung der Argumente auf die Schließung der Balkan-Route und dem antimuslimischen Rassismus.
Vielleicht ist es ganz nützlich, auch einmal das abgedroschenste Argument des türkisen Wunderknaben zu drehen und zu wenden. Wer hat denn nun wirklich die Balkanroute dicht gemacht? War es nicht die vielgeschmähte und vom pubertierenden Stimmbruch-Wunder angepöbelte deutsche Merkel-Mutti, die dem Herrn Erdogan die Milliarden hinten reingeschoben hat, damit der türkische Trickspieler dem türkisen Wunderheiler (versehentlich) die Gelegenheit gibt, sich mit einem Effekt zu brüsten, den in Wahrheit der Sultan am Bosporus erzielte, indem er die Flüchtenden einfach nicht weiterziehen ließ?
Und was wurde denn aus den großen Reformen? Wir haben jetzt bald Fotos auf den e-Cards, die das tausendfache kosten, was an messbarem Schaden ohne die Fotos eingetreten ist. Garniert durch die übliche braune Hetze.
Wir haben den 12-Stunden-Tag. Gegen alle wirtschaftspolitische Vernunft und auch arbeitsmedizinische Erkenntnisse. Wir haben den Karfreitag, der den Protestanten in einem zynischen Parforceritt wegrationalisiert wurde. Verarsche pur.
Wir haben einen Geheimdienst, um den die Kollegen aus dem Ausland einen Bogen machen, weil er von Rechtsextremisten unterwandert ist.
Aber Hauptsache, wir haben wieder die Schulnoten für 9-Jährige. Da freuen sich die Schul- und Studienabbrecher. Sooo leicht sollen es die Jungs und Mädels heute auch wieder nicht haben - eine gesicherte Quote an Sitzenbleibern brauchen wir schon, damit wir uns selbst ein bissi besser fühlen dürfen.
Das ist überhaupt das große Narrativ dieser Hasardeure. Hauptsache, wir schaffen einen gesicherten Bodensatz von Underdogs - dann haben wir immer was, worauf wir hintreten können.
Hauptsache, uns gehen die Feindbilder nicht aus, denn wo kämen wir da hin, wenn wir so etwas wie einen positiven Sinn stiften müssten? Wie sollte das denn gehen? Davon haben wir ja nicht den Schatten einer Ahnung. Feindbilder, Underdogs, Neid, Missgunst, Vorurteile und Verschwörung. Das ist der toxische Cocktail, der uns von brav geschmierten Boulevard-Gunstgewerblern im Dauertropf intravenös verpasst wird.
Und dann haben wir eine ehemals staatstragende Partei, die den Namen Opposition nicht verdient, weil sie weder weiß, was das ist, noch wie das geht.
Wenn die FPÖ nicht so strunzdumm wäre, ihre braune Kloake einfach nicht in den Griff zu kriegen und wenn es nicht 50 Tote ganz weit weg gegeben hätte, die ein Gleichgesinnter dieser verrohten Gang auf dem Gewissen hat: Der ungebildete und empfindungslose Kanzler hätte wahrscheinlich noch drei Jahre in der Pendeluhr geschlafen, während die Demokratie da draußen rettungslos verkickelt worden wäre.
Das ist das wirklich Gefährliche an diesem Regime: Es braucht eine bis zur Unerträglichkeit gesteigerte Abfolge von substanziellen Schweinereien, bis - man möchte fast meinen irrtümlich - irgend ein Alarm anspringt.
Und der absolute Tiefpunkt dieser Tragödie: Man muss kein Meinungsforscher sein, um mit Gewissheit feststellen zu können, dass all das nach wie vor der Mehrheit im Land an der ominösen Körperöffnung vorbeigeht.
Nun bleibt nur noch ein Reaktionsmuster für die Aufrechten: Jede nur denkbare Gelegenheit nützen, um allen, die wegschauen, weghören, zuschlagen und abdrehen auf der persönlichen Ebene den demokratischen Marsch zu blasen.
Es muss sein. Es macht sonst niemand.
Denn sonst glaubt der Bodensatz, er wäre die Schaumkrone. Das müssen wir verhindern. Jeden Tag.

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Robert Dengscherz (Donnerstag, 04 April 2019 09:35)
In einem Bereich, dem Umbau Österreichs in eine iliberale "Demokratie" Orbánscher Prägung, ist der Bundeskurzler allerdings rasant unterwegs.
Da wird der Statistik Austria die Unabhängigkeit genommen, damit des Wunderbastis Partie zuerst Zugriff auf die Daten hat und überhaupt steuern kann, was überhaupt erhoben werden kann und wie es kundgetan wird.
Brave Medien bekommen 2018 ein fettes Plus an Regierungsinseraten vermeint. Und das gegenüber 2017, welches ein Wahljahr war wo ohnehin meist mehr Inserate geschaltet werden. Allein der Falter, das Medium das als einziges dieser Regierung die Stirn bietet, bekommt für 79% weniger Inserate.
Plötzlich entdeckt der Milliardär René Benko, ein Bastispezi, der auch als sein Berater firmiert, aus dem Immobilienbereich kommend, seine Liebe fürs Mediengeschäft und kauft Anteile an Krone und Kurier.
Derweil schießt die FPÖ den ORF sturmreif und der soll in ein Budgetfinanziertes Medium umgebaut werden. Damit wäre dann die ohnehin fragile Unabhängigkeit des größten Medienhauses hierzulande perdu.
Am Ende von all dem steht eine gleichgeschaltete Medienmonokultur, wo der eigentliche Chefredakteur für eh gleich alle Medien im Land in der Regierung sitzt oder ihr zumindest indirekt angehört; Vielleicht machts ja der Mahrer.
Christian Sadil (Donnerstag, 04 April 2019 18:20)
Dem wäre nichts hinzuzufügen, ... außer einer gar nicht so gewagten Spekulation:
Wenn tatsächlich die Strippenzieher hinter "Basti" stehen, die allgemein vermutet werden, könnte das ganze oben Beschriebene auch "nur" Phase 1 einer langfristigen Strategie sein. Das Einziehen einer roten Linie, die de facto nicht zu erfüllen ist, deutet darauf hin.
Phase 2 sähe dann so aus: "Basti" erklärt, dass die rote Linie nachhaltig überschritten bleibt und löst die Koalition auf. Das kann er im Bewusstsein von (kolportierten) Beliebtheitswerten von über 40% locker wagen - umsomehr, als ja das Zerstören des Sozialstaats von den FPÖ-Ministern nachhaltig und (fast unumkehrbar) weitgehend erledigt ist. Danach präsentiert er sich (wie einst sein Ziehvater Schüssel) als "Retter Österreichs vor einem neuen Faschismus" und schreibt für September Neuwahlen aus. Es wird zwar nicht für Neuwahlen reichen ... aber er wird haushoch gewinnen und könnte dann zwischen Neos (eventuell mit den wieder im Parlament vertretenen Grünen ergänzt) oder einer neuen Groko wählen, in der er dann der unbestrittene starke Mann wäre. (Natürlich würde die SPÖ für 3-4 Ministersessel ALLEM zustimmen, was Basti noch vorhat ... Hauptsache sie wäre aus der machtlosen Oppositionsrolle draussen, mit der sie gar nicht zurecht kommt.
Phase 3: Es folgt eine zumindest 10-jährige weitere stabile Regierung "Basti II", "Basti III" und ggf. "Basti IV" ohne große "neue" Widerlichkeiten, außer, dass eben verlässlich alles für die Wirtschaft getan wird. ... bis dann irgendwann die zornigen Jungen (im bis dahin längst verlorenen Klimakampf") das Ruder übernehmen, um den bereits eingesetzten Niedergang irgendwie zu verwalten...
So oder so ähnlich ... das erscheint mir gar nicht so unwahrscheinlich...
Christian Sadil (Donnerstag, 04 April 2019 18:23)
im Absatz 2 sollte es antürlich heißen: ... "es wird zwar nicht für die "Absolute" reichen, aber ... Sorry ...unkonzentriert geschrieben...
Elfi (Freitag, 05 April 2019 00:28)
Ich habe dem auch nichts hinzuzufügen. Natürlich abgrundtiefe Sauerei, dass so etwas wie in Christchurch geschehen muss, damit hier überhaupt jemand diesen Neofaschisten Aufmerksamkeit schenkt. Ich bin mir sicher, es gibt eine Langzeitstrategie .. die kann durchaus total unterschiedlich ablaufen a) er zieht es durch mit den blaunen und macht auf autoritär, like Ungarn , verstaatlicht alles, um seinen Einfluss und Wiederwahl zu gewährleisten b) zerstört alles was möglich ist, schiebt es den blaunen in die Schuhe und gewinnt fulminant die Wiederwahl und macht so weiter nur mit einer anderen Partei, da ja schon alles in der Hand ist c) es gibt eine Langzeitstrategie, tatsächlich mit Russland und Orbanbezug.. alle Varianten sind oasch.. (sorry) wobei die letzte wohl die Schlimmste wäre. Was wäre ein Ausweg? Das erscheint mit die aufregendste Frage bzw. Antwort...