Splitter.

Auch wenn ich als Coach aus gutem Grund nicht in die psychischen Krankheitsbilder eines Klienten einsteigen darf, ist es immer wieder verblüffend, mit welchen Rucksäcken voll mit seelischen Bleikugeln manche meiner Kunden auftauchen. 

Die beklemmendsten Situationen zeigen Menschen, die so früh so schlimme elterliche Machenschaften erleben mussten, dass sie sich oft noch im Kleinkindalter ihre Emotionen verbieten mussten. Paradebeispiel: Ein wunderbar freundlicher, gut gebildeter, beruflich sehr erfolgreicher junger Mensch, der bereits mit drei Jahren erwachsen werden musste, weil seine Eltern sich trennten. Dieser Mensch ist durch diese Ereignisse so weit weg von seinen kindlichen Bedürfnissen aufgewachsen, dass er heute mit 30 keinen Zugriff auf spielerischen Umgang mit den Umständen hat.

Ein anderer Klient schafft es einfach nicht, aus dem brutalen "Entweder/Oder" auszuscheren und wenigstens ein paar Augenblicke lang die Perspektive zu wechseln. Immer wieder zieht es ihn in die Pole extremer Positionen, weil er nur dort die für ihn so unentbehrlichen Leitplanken findet.  

So viele Menschen verlieren die Fähigkeit, aus festgefügten Schützengräben auszusteigen und durch den auch nur kleinsten Wechsel der Perspektive zu gemeinsamen Lösungen zu finden. Der unselige Drang und Zwang, unter allen Umständen Recht zu haben, führt dazu, dass am Ende nichts mehr stimmt.

Der E-Mail-Wahnsinn und seine Reduktion der Kommunikation auf verstümmelte Worte (keine Stimme mehr, die Stimmung macht; kein Kontakt in 3D mehr, der Fühlung ermöglicht) bombt uns in eine seelenlose Kaskade von hineingehämmerten Verbal-Attacken, die uns zu Attentätern und Heckenschützen macht. 

So wie wir immer noch ignorieren, dass das Wasser der schmelzenden Polkappen bereits unsere Kniekehlen umspült, so sehr bleiben wir manisch in kommunikativen Irrwegen verstrickt, die uns immer weiter weg vom Mensch-Sein führen.

Wie schon einmal vor ein paar Jahren, werde ich mich bemühen, dem einen oder anderen Herzensmenschen wieder handgeschriebene Briefe zu schicken. Die Einladung zum persönlichen Wiedersehen inklusive.